Jesus in anderen Religionen
| 2. Jesus im Judentum
| | Viel näher, aber auch konfliktreicher ist das Verhältnis zwischen Christen und Juden. Beide „vergaßen“ mitunter, dass Jesus selbst ein Jude war, der sein Volk liebte und die Religion Israels achtete. Auch seine ersten Jüngerinnen und Jünger, die ihn als „Messias“ (griechisch: Christos) und „Sohn Gottes“ bekannten, waren allesamt Jüdinnen und Juden. „Das Heil kommt von den Juden“, bezeugt das Neue Testament (Joh 4,22). Der Großteil des jüdischen Volkes hatte allerdings eine andere Vorstellung vom Messias, als sie Jesus repräsentierte. Hingegen kamen schon bald Menschen aus anderen Völkern zum Glauben an Jesus. Christentum und Judentum traten in Konkurrenz.
Seit dem Mittelalter ließen sich Christen sogar zu blutigen Judenverfolgungen hinreißen. Ein gewaltiger Schandfleck für eine Religion, die sich auf Jesus beruft. Für Juden wurde Jesus zum Ungeliebten, den das Talmud-Urteil trifft: „Er hat Zauberei getrieben und Israel verlockt und gespalten“.
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| | Erst in den letzten Jahrzehnten haben manche Juden Jesus wieder als einen der Ihren entdeckt. So schreib der jüdische Religionsphilosoph Shalom Ben Chorin: „Jesus ist mein jüdischer Bruder. Ich spüre seine brüderliche Hand, die mich fasst, damit ich ihm nachfolge. Es ist nicht die Hand des Messias, diese mit Wundmalen gezeichnete Hand. Es ist bestimmt keine göttliche, sondern eine menschliche Hand, in deren Linien das tiefste Leid eingegraben ist ... Es ist die Hand eines großen Glaubenszeugen in Israel.“ Als „Messias“ oder „Sohn Gottes“ können die meisten Juden Jesus freilich auch heute nicht anerkennen.
Ermutigend und bewegend ist aber, was ein Jude einmal in einem Gespräch gesagt hat: „Wir beide, Juden und Christen, warten auf den Messias. Ihr Christen glaubt, dass er schon einmal hier war und dass ihr ihn bereits kennt. Wir Juden kennen ihn noch nicht. Sollte sich aber bei der Ankunft des Messias herausstellen, dass es Jesus von Nazaret ist, keiner wäre mir lieber als er!“
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