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Der Islam


11. Sexualität, Ehe, Familie

Keuschheit ist wichtig, allerdings wird der Zölibat nicht als Ideal geachtet. Muslime sollen heiraten. Ein Muslim darf auch eine Christin oder Jüdin (aber keine Frau, die an viele Götter glaubt) heiraten, eine Muslima hingegen darf nur einen Muslim heiraten. Geschlechtsverkehr ist nur Eheleuten gestattet (außer dem Mann mit seinen Sklavinnen). Sexuelle Vergehen (z.B. Ehebruch, homosexuelle Praxis) sind schwer strafbar. Der Ehevertrag gibt der Frau wirtschaftliche Sicherheit. Der Ehemann muss für den Lebensunterhalt der Familie sorgen und darf von seiner Frau, die primär Hausfrau und Mutter sein soll, Gehorsam verlangen, ja sie "notfalls" sogar schlagen (vgl. Sure 4,34).

Einem Muslim ist es vom Koran gestattet, bis zu vier Ehefrauen gleichzeitig zu haben, wenn er sie gerecht behandeln kann. Nur Muhammad hatte von Allah die Erlaubnis für eine unbegrenzte Zahl von Ehefrauen: "Ein besonderes Privileg für dich vor den Gläubigen!" (Sure. 33,50) Scheidung ist möglich nach einer vorgeschriebenen Prozedur, auch von Seiten der Frau (schwieriger!). Jede Frau ist ab der Pubertät verpflichtet, in der Öffentlichkeit Hidschab (Schleier, Bedeckung von Kopf bis Fuß) zu tragen (vgl. Sure 33,59).

Die in manchen islamischen Ländern (Ägypten, Sudan Schwarzafrika) praktizierte Klitoris-Beschneidung der Mädchen ist im Koran nicht vorgeschrieben (aber von Muhammad gebilligt) und wird von vielen Muslimen heute als barbarische Sitte verurteilt. Aus historischer Sicht muss gesagt werden, dass der Islam zur Zeit Muhammads für die arabische Frau eine Besserstellung brachte.
  



12. Spaltungen, Rechtsschulen, "Farben"

Nach dem Tod Muhammads spaltete sich die Gemeinde, weil sie sich über die Nachfolge Muhammads nicht einigen konnte. Die Sunniten, die heute 90 Prozent der Muslime ausmachen, traten für eine Art Wahl des Leiters der Gemeinde, Kalif (Stellvertreter) genannt, aus dem Stamm der Kuraischiter ein, die Schiiten vertraten die Ansicht, der Leiter der Gemeinde, Imam genannt, müsse aus der Familie des Propheten stammen.

Als besonders maßgeblich gelten den Sunniten die vier ersten Kalifen: Abu Bakr (632-634), Umar (634-644), der Jerusalem und damit die heiligen Stätten der Juden und Christen eroberte, Uthman (644-656), der den Korantext vereinheitlichte und fixierte (653), und Ali (656-661), der Ehemann der Muhammad-Tochter Fatima (der von den Schiiten als erster Imam verehrt wird). Während es heute keine sunnitischen Kalifen mehr gibt, legen die Schiiten wert darauf, dass der letzte in der Kette der Imame - sie stammten alle von Ali, dem Schwiegersohn Muhammads ab – noch heute im Verborgenen die Gemeinde unfehlbar leitet und eines Tages als Mahdi (der Rechtgeleitete), eine Art Messias, auf die Erde zurückkehren und eine gerechte Gesellschaft gründen wird. Der Ausdruck Schiiten kommt von Schia, was Partei (des Ali) bedeutet. Die Schia ist in Jemen, Iran, Indien, Syrien und Afrika verbreitet. Die größte Gruppe unter den Schiiten ist die Zwölfer-Schia. Sie hält den 12. Imam für den seit 940 n. Chr. verborgenen Imam. Es gibt viele Parteien, Abspaltungen und Sonderbildungen des Islam (Karidschiten, Zayditen, Ismaeliten, Alawiten, Drusen etc.).

Unter den Sunniten bildeten sich im Lauf der Geschichte vier Rechtsschulen heraus, die auf je besondere Weise Koran und Sunna im Detail interpretieren: die Malikiten (in Nordafrika), die Hanbaliten (in Saudiarabien),die Hanifiten (Türkei, Indien, Ägypten) und die Schafiiten (in Palästina). Sie betrachten sich als ebenbürtig. In fundamentalen Fragen besteht kein Zwiespalt.

Wenn man von den fünf "Farben" des Islam spricht, meint man die fünf großen kulturellen und sprachlichen Zusammengehörigkeiten: die arabische (Nordafrika, Vorderer Orient), die türkische (Türkei, Zentralasien, China), die irano-indische (Iran, Afghanistan, Pakistan, Bangladesch, Indien), die malaiische (Indonesien, Malaysia, Philippinen) und die schwarze (Schwarzafrika, Schwarze in den USA). Vermutlich werden auch die Muslime in West- und Nordeuropa über kurz oder lang eine eigene "Farbe" des Islam darstellen.

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