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Wer ist Jesus wirklich?

Univ.-Prof. Dr. Bernhard Körner, Graz

Machen Sie auch manchmal einen Schaufensterbummel bei Buchhandlungen? Ist Ihnen schon aufgefallen, daß es da in letzter Zeit gar nicht selten religiöse Schwerpunkte gibt? Eine bunte Palette – Bücher, zu den Themen „Esoterik“ und „Weltreligionen“, Klassiker und Bestseller, aber auch religions- und kirchenkritische Bücher. In vielen spielt Jesus von Nazareth eine entscheidende Rolle.


Jesus im Widerstreit

Schon ein erster kurzer Umblick in einer Buchhandlung zeigt: Auch viele Menschen, die sich nicht als Christen betrachten, sehen Jesus positiv. Manche journalistische Stellungnahmen stellen ihn als „wahren Menschen“ und als „Superstar“ vor. Es gibt aber auch sehr „kritische“ Jesus-Bücher.  Einige wittern sogar Betrug: Jesus sei anders gewesen und habe anderes gelehrt, als die Kirche behaupte. Der Vatikan behindere die wissenschaftliche Forschung und hüte ängstlich die „Verschlußsache Jesu“ (Michael Baigent und Richard Leigh).
So kommt man sehr schnell zu drei Fragen:
  • Was glaubt die Kirche über Jesus eigentlich wirklich?
  • Was kann die wissenschaftliche Forschung über ihn sagen?
  • Stimmen die wissenschaftlichen Untersuchungen und der christliche Glaube überein oder widersprechen sie sich?


Was die Kirche von Jesus glaubt

Das Glaubensbekenntnis, das die Christen bei jedem Sonntagsgottesdienst sprechen, ist nicht nur ein Bekenntnis zu Gott dem Vater, dem Allmächtigen, dem Schöpfer des Himmels und der Erde – das könnten so oder ähnlich auch gläubige Juden und Muslime sagen. Die Besonderheit des christlichen Glaubens besteht in der Fortsetzung:
"... und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, ... gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten."

Jesus Christus – das ist nicht ein Doppelname, Vor- und Zuname, sondern eigentlich ein altes, ganz kurzes Glaubensbekenntnis: Der Mensch Jesus von Nazaret ist der Christus (Messias), das heißt der erwartete Retter: Er bringt uns die Vergebung Gottes und ein Leben über den Tod und alles Leid hinaus und befreit uns so aus den Zwängen und der Gebrochenheit eines gottfernen Lebens. Das christliche Glaubensbekenntnis betont zwei Aspekte: Jesus ist wirklich ein Mensch, er hat gelitten unter dem Statthalter Pontius Pilatus, er wurde gekreuzigt, er ist gestorben und wurde begraben. Auf der anderen Seite ist er   der  Sohn Gottes, er ist der "Herr" (mit diesem Wort bezeichnen die Christen von Anfang an Gott); er ist der Auferstandene. Er lebt.

Nach dem christlichen Glauben ist Jesus also mehr als ein Mensch und nicht nur einer unter vielen Heilsbringern. Die entscheidende Frage lautet jetzt: Ist das reine Phantasie? Ist das der Glaube einer Zeit, die noch keine Wissenschaft gekannt hat? Oder: gibt es für den christlichen Glauben verlässliche Anhaltspunkte?

Lesen Sie weiter:
Was die Forscher ans Licht bringen>>



 
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