Die Domkirche ist dem hl. Ägidius geweiht. Erstmals wird
sie im Jahre 1174 in einer Schenkungsurkunde des Markgrafen Ottokar von Steiermark
für das Kloster Seckau erwähnt. Mit der Errichtung der heutigen Barbarakapelle;
damals als Sakristei im Jahre 1438 und des Hoforatoriums Friedrichs III. 1449
darüber, wird die Kirche Hofkirche. 1577 übergibt Karl II. von Innerösterreich
die Kirche dem Jesuitenorden. 1617 werden die Brauttruhen der Paula Gonzaga,
als Reliquienschreine aufgestellt im gleichen Jahr wird die neue Sakristei durch
Pietro de Pomis und im 17. Jhdt. die vier Seitenkapellen angebaut. In der ersten
Hälfte des 18. Jhdt. wird der Hochaltar barock gebaut und die beiden Säulenaltäre
errichtet. Die beiden Seitenaltäre erfahren um 1766 eine Neugestaltung. 1786
wird die Ägidiuskirche zur Kathedralkirche der Seckauer Bischöfe. 1854 wird
der Verbindungsgang zwischen Burg und Dom abgebrochen. 1962/63 wird die Domkirche
renoviert und 1987 werden die neuen Glocken geweiht. 1998 hat man die Fassade
des Domes zuletzt restauriert.
Der Hl. Ägidius
Er wurde um 720 geboren, war der Legende nach ein vornehmer Grieche. Ägidius zog sich in die Wälder von Nimes (Frankreich) zurück, wo ihm eine Hirschkuh Milch spendete und ihn der westgotische König Wamba entdeckte. Ägidius wurde Abt des Klosters in St. Gilles. Ab dem 11. Jhdt. wird Ägidius zu den 14 Nothelfern gezählt. Er wird angerufen bei Aussatz, Pest, Irrsinn, Unfruchtbarkeit, Dürre, von Krüppeln und stillenden Müttern. Er war auch Patron der Pilgerfahrt. In England tragen 160 Kirchen seinen Namen.
Der Innenraum
Der Hochaltar
Der barocke Hochaltar stammt aus dem Jahre 1730/33, das Altarbild zeigt den hl. Ägidius inmitten von Aussätzigen, Epileptikern und bittenden Müttern. Franz Ignaz Flurer schuf es. Links und rechts sind die hll. Barbara und Katharina dargestellt. Über dem Tafelbild ist die Darstellung der Krönung Mariens, auf dem Gebälk sitzen die vier Tiere der Evangelien (Löwe, Adler, Mensch, Stier). Am Abschluss sind die drei göttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe dargestellt.
Der Sakramentsaltar
Der nördliche Seitenaltar war bereits im Mittelalter Sakramentsaltar der Kirche. Ursprünglich war es ein Marienaltar mit dem Bild der Verkündigung an Maria (1618) und es wurde von Pietro de Pomis geschaffen von ihm stammt auch das Bild des Ignatiusaltares. In den Marmor-Säulen-Altar sind die von Veit Königer im Jahre 1766 geschaffenen Figuren des hl. Johannes (Evangelist) und des hl. Johannes d. Täufers eingestellt.
Der Ignatiusaltar
Das Altarbild zeigt die Christusvision des hl. Ignatius in der Kapelle von La Storta bei Rom und stammt auch von Pietro de Pomis (1618). Die Aposteln Petrus und Paulus stammen von Veit Königer.
Johannes-Nepomuk-Altar und Aloisiusaltar
In den Jahren 1744 und 1745 entstanden die beiden Säulenaltäre des Domes. Das Bild des nördlichen Altares zeigt den hl. Johannes Nepomuk, der wegen der Weigerung das Beichtgeheimnis zu brechen in die Moldau geworfen wurde. Das Bild am südlichen Altar zeigt den hl. Aloisius, der 1591, 26jährig verstarb.
Die Seitenkapellen
Die Pestkapelle oder Rochus- und Sebatiankapelle erhielt ihre wesentliche Gestalung in den Jahren 1617/1717/18. Allein im Jahr 1714 gab es in Graz 471 Pesttote.
Die Franz-Xaverkapelle, gleich nebenan wurde im Jahre 1659 errichtet. Franz-Xaver ist einer der bedeutendsten Heiligen der Jesuiten, er stammt aus dem spanischen Adel und war Professor für Philosophie. Nach einer Begegnung mit Ignatius zog er nach Osten wo er bis nach Japan kam.
Die Mater-Dolorosa-Kapelle an der Südwand
des Domes stammt aus dem Jahre 1617. Diese Kapelle wurde vom
Leibarzt Ferdinands II. seiner Gattin gewidmet. Zwei Jahre später
hat man einen Erweiterung der Kapelle vorgenommen, zur gleichen
Zeit, als man auch den Verbindungsgang vom Jesuitenkolleg über
diese Kapelle zur neuen Sakristei baute. 1682 kommt das überaus
verehrte Bild der "Mater Dolorosa" (Die schmerzhafte
Jungfrau, die Leidenswerkzeuge ihres Sohnes betrachtend in diese
Kapelle. Die Forschung hat das Bild dem berühmten Architekten
und Maler Pietro de Pomis zugeschrieben.
Wo sich einst der Südeingang in die gotische Kirche befand, hat man um 1667/68 eine weitere Kapelle angebaut. Der schwarz-goldene Säulenaltar entspricht den Gepflogenheit von Ausstattungen, die Jesuiten aus Spanien übernommen haben. Im Oberbild sind die armen Seelen zu sehen, in der Mitte steht ein spätgotisches Kruzifix aus der Zeit um 1500.
Schon 1438 wurde parallel zum Chor die alte Sakristei errichtet. Sie wurde so im Norden angelegt, dass darüber die Friedrichskapelle erbaut werden konnte. Mit der Verlegung der Sakristei wurde dieser Raum 1750 zur Barbarakapelle umgestaltet. Die Friedrichkapelle (Hoforatorium) wurde von Friedrich III. 1449 errichtet. Diese war über einen Gang mit der Burg verbunden. Der Erker, der vom Dom aus zu sehen ist diente dem Kaiser um an feierlichen Gottesdiensten in der Hofkirche aus seinem privaten Bereich heraus teilzunehmen. Über der Friedrichskapelle wurde noch eine weitere Kapelle errichtet, die Romualdkapelle. Friedrichs- und Romualdkapelle werden seit einiger Zeit restauriert und einer genauen Bauforschung unterzogen, um die Baugeschichte der Domkirche besser rekonstruieren zu können.
Die
Sakristei
Die alte Sakristei (Barbarakapelle) ist ein sehr kleiner Raum und genügte den vielfältigen Aufgaben der Jesuiten nicht mehr. 1615 errichtet man daher im Süden eine neue Sakristei, die unter Pietro de Pomis entstand. Die Sakristei besteht aus zwei Geschossen und war über einem Gang (über die Bürgergasse) mit dem Jesuitenkolleg verbunden. Auch die Einrichtung stammen aus der Zeit des frühen 17. Jahrhunderts, die Stuckarbeiten stammen aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts.
Die Domorgel:
Die heutige Domorgel wurde im Jahre 1978 von der Firma Johannes Klais (Bonn)
erbaut. Der Prospekt (die Schauseite) stammt von Architekt Jörg Mayr unter
Mitverwendung des Dekors von Veit Königer für die Barockorgel von
Anton Römer. Die Domorgel hat vier Manuale mit ursprünglich 70 Registern
bei mechanischer Spiel- und elektrischer Registertraktur, 1998 wurde ein Trompetenwerk
mit drei Registern zusätzlich eingebaut. An den Sommersonntagen finden
regelmäßig Orgelkonzerte statt.
Das Gottesplagenbild
An der südlichen Außenwand befindet sich das historisch und künstlerisch bedeutendste Werk der Freskomalerei des Spätmittelalters (1485) in Graz. Heute ist von der Größe des Bildes nicht mehr viel zu sehen, schon 1871 war der Verfall feststellbar, so daß eine Nachzeichnung angefertigt wurde, die dieses Werk wiedergibt. Das Bildfeld ist zweiteilig wobei im oberen Teil Gottvater, links Christus undm rechts Johannes der Täufer zu sehen sind. Der erzürnte Gott sendet, durch Strahlenbündel gekennzeichnet, Strafen über die Menschen. Auf diesem Fresko wird auch die älteste Ansicht der Stadt Graz dargestellt.
Kreuzigung Christi "mit Gedräng"
von Conrad Laib
Von der gotischen Ausstattung des Gotteshauses aus der Zeit Kaiser Friedrichs III. ist noch das bedeutende Tafelgemälde mit der Kreuzigung Christi mit figurenreicher Umgebung erhalten. Das Tafelbild war wohl der Laienaltar der Kirche. Ursprünglich ist dieser Typus in Italien und wurde im 14. Jahrhundert von der deutschen Malerei übernommen. Der Künstler Conrad Laib, aus Ennslingen in Schwaben stammend, war Bürger von Salzburg und trug sich auf der Fahne mit der Jahreszahl 1457 ein. Dieses Altarwerk ist eines der bedeutendsten Altarbilder alpenländischer Kunst. Seit Jahren ist es Gegenstand der Untersuchung durch das Bundesdenkmalamt und wird künftig im Bereich des Domes aufgestellt.
Die Reliquienschreine - die Brauttruhen
Es handelt sich hierbei um Truhen aus Eichenholz, mit Bein- und Elfenbeinreliefs geschmückt, die links und rechts vor dem Triumphbogen Aufstellung gefunden haben. Sie stehen auf Marmorsockeln auf welchen Inschriften stehen wonach sich in den Truhen Reliquien von Märtyrern aus den Katakomben Roms stammen. Die Schreine waren einst Brauttruhen der Gräfin Paula Gonzaga und ihres Gemahls Leonhard, des letzten Grafen von Görz. Sie stammen aus Mantua und waren dort vor 1477 entstanden. Die Truhen wurden 1598 den Jesuiten übergeben. Die Reliefbiler folgen den Terzinen Petrarcas (1304-1374) "I trionfi" (den Triumphen).
Das Mausoleum - die Katharinenkirche
Die Katharinenkirche
Im Bereich
des Domes steht eine zweiter Sakralbau, der aus zwei verschiedene
Gebäude verbunden wurde: die der hl. Katharina geweihte Kirche
und der daran im Süden anschließende ovale Zentralbau, das
eigentliche Mausoleum, das an der Stelle des alten, romanischen
Karners errichtet wurde. Aus der Enge der Gegebenheiten erwächst
dieser besondere Komplex. Im Osten um die Apsis entsteht eine
umschließende Schalung um die Sakristei und die Mesnerwohnung,
die durch einen schlanken Turm bekrönt wird.Erzherzog Ferdinand
beschloß, sich auf dem Areal des ehemaligen Friedhofs eine
Beerdigungsstätte zu erbauen. Die Entwürfe zu den Gewölben
werden Johann Bernhard Fischer von Erlach zugeschrieben, wie auch
der Hochaltar der Katharinenkirche.
Im Mausoleum ist auch das Hl. Grab, das Veit Königer zugeschireben wird aufgestellt, es steht aber erst seit 1967 im rechten Querhaus. Es ist ein Hauptwerk dieses spätbarocken Bildhauers (1768/69) und zeigt ein Schaugerüst, an dessen Seiten die Figuren Moses, David, Isaias, Jonas, Jeremias und Daniel zu sehen sind. Im Inneren dieses Gerüstes sieht man den Leichnam Christi.
Das Mausoleum Kaiser Ferdinands II.
An den südlichen Querarm der Katharinenkirche schließt sich die
Grabkapelle an, die Kuppel überspannt die gesamte Grabkapelle.
Auch die Stuckdekorationen an der Kuppel sollen von Johann
Bernhard Fischer von Erlach entworfen worden sein. Am Kuppelkranz
werden die Tugenden und Taten Kaiser Ferdinands II. dargestellt.
Vor allem wird er als Gegenreformator dargestellt mit dem Papst
vor dem Kreuz knieend. 1960 wurde diese Grapkapelle zur Grabstätte
der Bischöfe von Graz-Seckau umgebaut und ein Altartisch
aufgestellt. Der eigentliche Grabraum für den Kaiser befindet
sich im Untergeschoß. An der linken Seite des Altares befindet
sich das Grab des Kaisers. Er starb am 15. Februar 1637 in Wien
und verfügt testamentarisch, daß er in dieser Kaisergruft in
Graz beigesetzt wurde. Der aus rotem Marmor geschaffene Sarkophag
stammt aus dem Klarissinnenkloster im Paradeis, und zeigt die
liegenden Figuren Erzherzog Karls II. und Marias von Bayern.
Heute sind die Grabnischen leer, die Gefäße mit den
entsprechenden Inhalten wurden 1910 dem Münzamt übergeben.
Gekürzt nach: "Der Dom zu Graz"